(Bild: Christian Frei)
Am 17. März lädt Coop zum «Gedankenaustausch über Politik und Wirtschaft 2026» – inklusive Weinbegleitung – ins Restaurant Ryfflihof in Bern. Am Tisch sitzt auch Doris Leuthard: ehemalige Bundesrätin, heute VR-Vizepräsidentin von Coop.
Das ist Drehtürenpolitik in ihrer reinsten Form. Leuthard bringt mit, was sich jeder Konzern wünscht: zwei Jahrzehnte Bundeshaus-Netzwerk, politisches Kapital und den informellen Zugang in die Politik, den ein Grossverteiler für seine Anliegen – Ladenöffnungszeiten, Importregulierungen – bestens gebrauchen kann. Wessen Interessen beim Dinner vertreten werden, ist hier wenigstens klar.
Komplizierter wird es, wenn nicht ein Konzern selbst zum Tisch lädt, sondern eine Agentur, die im Auftrag von Dritten lobbyiert. Am 11. März lädt die Lobby-Agentur Farner zum Sessions-Cocktail & Dinner in die Lorenzini Bar. Die Kundenliste von Farner hat es in sich: Der israelische Rüstungskonzern Elbit Systems, der chinesische Technologieriese Huawei, der Rohstoffhändler Trafigura und Uber Schweiz zählen zu den Klienten. Welche dieser Interessen am Cocktailabend vertreten werden? Das bleibt im Dunkeln.
Vom Weissen Haus ins Bundeshaus
Einen seltenen Einblick in internationales Lobbying bot eine Delegation Schweizer Wirtschaftsgrössen, u.a. mit Rolex-Chef Jean‑Frédéric Dufour, die im November 2025 ins Weisse Haus zu Donald Trump reiste. Im Gepäck: eine Rolex-Uhr und einen Goldbarren als Geschenke für den Präsidenten. Das Ziel: Den drohenden US-Zöllen entgegenwirken, Goodwill schaffen, Investitionen versprechen.
Drei Monate später, am 17. März, tickt die Lobby-Uhr in der Schweiz weiter. Die Parlamentarische Gruppe Uhrenindustrie lädt zu einem Anlass über die Folgen der US-Strafzölle. Offiziell lädt eine parlamentarische Gruppe ein – ihr Sekretariat wird jedoch vom Verband der Schweizer Uhrenindustrie FH geführt. Mitglied des Branchenverbands ist auch die Firma Rolex. So schliesst sich der Kreis von Washington nach Bern.
Es braucht mehr Transparenz
Die über 60 Lobby-Events der Frühjahrssession zeigen: In der Schweiz wird intensiv lobbyiert, und oft geschieht dies intransparent. Einladende Organisationen sind nicht verpflichtet, offenzulegen, wessen Interessen sie vertraten und was dabei auf dem Tisch lag – im wörtlichen wie übertragenen Sinn.
Zwar veröffentlichen einige Lobby-Agenturen freiwillig eine Mandatsliste. Das ist löblich. Aber es beantwortet nicht die eigentlich relevanten Fragen: Was wurde an einem bestimmten Abend besprochen, in wessen Namen und welche Geschenke wechselten den Besitzer?
Die Lösung wäre ein verbindliches Lobbyregister mit Offenlegungspflicht für Einladungen, Geschenke und Mandatsverhältnisse. Ansonsten bleiben Events wie der Sessionscocktail ein regulierungsfreier Raum für bezahlten politischen Einfluss.
Die Timeline mit den 60 Lobbyevents gibt’s hier zum Stöbern:












