Sara Stalder: «Einige Lobbyisten sind intransparent»

Die wichtigen Gremien befänden sich ausserhalb des Bundeshauses, findet Konsumentenschützerin Sara Stalder. Sie wüsste gern mehr über die Entschädigung von Parlamentariern und Lobbyisten.

Frau Stalder, Sie ziehen für den Konsumentenschutz gekonnt die Fäden. Was braucht es, um im Bundeshaus als Lobbyistin Einfluss auszuüben?

Sara Stalder: Es braucht die richtigen Kontakte und die richtigen Argumente. Und in gewissem Mass auch die nötigen Finanzen – was wir aber leider nicht haben. Es ist schon so: Gute und sachliche Argumente reichen nicht immer.

Gibt es gute und schlechte Lobbyisten?

Ja. Das ist abhängig von der Persönlichkeit einer Person. Einige Lobbyisten sind etwas aufsässig, zu penetrant, zu freundlich. Gute Lobbyisten geben von sich aus bekannt, für wen sie arbeiten. Lobbyismus kann aber auch etwas Gutes haben. Man kann sachlich informieren und ein Thema erklären, ganz ohne den Anspruch, sein Gegenüber zu manipulieren.

Sie haben dank Nationalrätin Prisca Birrer-Heimo Zugang in die Wandelhalle. Was haben Sie für diesen Zutrittsausweis bezahlt?

Selbstverständlich habe ich nichts bezahlt.

Stört es Sie, wenn Lobbywatch alle Ihre Tätigkeiten auflistet und die Verbindungen zu anderen Organisationen?

Das stört mich nicht. Mich stört allerdings, wenn Tätigkeiten zu wenig differenziert wahrgenommen werden. Wir von der Stiftung für Konsumentenschutz sind in vielen Bereichen tätig, aber auf eine kritische Art. Das muss man bei Verbindungen berücksichtigen. Aus meiner Sicht müsste man auch aufdecken, wie die Tätigkeiten von Parlamentsmitgliedern und Lobbyisten entschädigt werden.

Weshalb haben Lobbyisten einen schlechten Ruf?

Vielleicht, weil einige Lobbyisten intransparent sind und ihre Karten nicht auf den Tisch legen. Manchmal sind nämlich jene im Bundeshaus nur Mittelsmänner und die wirklich einflussreichen Personen und Gremien befinden sich ausserhalb des Bundeshauses.

Lobbywatch erarbeitet zurzeit eine neue Art der Visualisierung von Transparenz in der Politik. Bald ist diese neue Darstellung online. Welche Verbindung werden Sie zuerst nachschauen, Ihre eigene?

Mich interessiert, wo sich die grossen Machtkonzentrationen befinden. Also die Finanzdienstleistungen mit den Versicherungen, die Gesundheitsbranche und natürlich die Landwirtschaft. Dann nimmt mich aber auch Wunder, wer sonst noch so einflussreich ist.

Sara Stalder ist Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS). Ihren Zutrittsbadge für die nichtöffentlichen Bereiche des Bundeshaues erhielt sie von Nationalrätin Prisca Birrer-Heimo (SP).

Transparenz ist nicht gratis. Lobbywatch.ch arbeitet derzeit an einer völlig neuen Darstellung von Interessenverstrickungen in der Politik. Wir wollen auf einen Blick ersichtlich machen, welche Politiker am Gängelband welcher Lobbygruppe hängt und welche Branche über welche Kanäle mit dem Bundeshaus verbunden sind. Für diese Visualisierung fehlen uns 15‘000 Franken. Deshalb haben wir auf wemakeit.com eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Helfen Sie mit und sorgen Sie mit Ihrer Spende für mehr Transparenz.

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